Die Dörfer und das Umland / 25 Feb 2020

Sant Antoni – ein Fischerdorf

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er Fischreichtum der Gewässer rund um Ibiza hat schon früh dazu geführt, dass die handwerkliche Fischerei den Lebensstil der Insel und ihrer Bewohner prägte. Eine typisch mediterrane Gesellschaft, bei der sich alles um die natürlichen Ressourcen drehte, die die umliegende Natur zu bieten hatte. In Sant Antoni de Portmany ist die Fischerei besonders tief verwurzelt. So ist der Ort geprägt von einer langjährigen Fischereitradition, die ihren Ursprung in der Besiedlung der Insel durch die Karthager um das Jahr 654 v. Chr. hat.

Fotografía extraída de la pçagina de Facebook "Fotos Eivissa Antiga"

Es gibt zahlreiche Anzeichen dafür, dass die große Bucht vor Sant Antoni schon damals ein bedeutender Dreh- und Angelpunkt für Handel, Fischerei und Seefahrt war. Die Punier steuerten mit ihren Booten die geschützt liegende Bucht an, um dort ihre reichhaltigen Fänge abzuladen, wo sie zu Salzfisch verarbeitet wurden. Doch nicht nur der Handel, sondern auch Trinkwasser, das dank der zahlreichen Quellen und Brunnen in dem Gebiet rund um die Bucht von Portmany in großen Mengen zur Verfügung stand, stellte für die damaligen Flotten einen wichtigen Anreiz dar, hier vor Anker zu gehen. Schließlich konnten sie hier leicht ihre Vorräte mit dieser unverzichtbaren Flüssigkeit auffüllen, bevor sie wieder in See stachen. Mit Beginn der römischen Herrschaft und noch bevor die Punier von der Insel vertrieben wurden, erhielt die Bucht und die dazugehörige Hafensiedlung ihre moderne Bezeichnung.

Fotografía extraída de la pçagina de Facebook "Fotos Eivissa Antiga"

Die Ausmaße der Bucht brachte die Römer nämlich dazu, sie auf den Namen „Portus Magnus“, großer Hafen, zu taufen, woraus sich später das heutige Portmany ableitete. Die Römer bezogen sich mit diesem erhabenen Namen jedoch nicht nur auf die Größe der Bucht, sondern wollten damit auch auf die strategische Bedeutung hinweisen, die dieser Ort für die damalige Seefahrt und Fischerei hatte. Ein weiteres Zeugnis dafür war viele Jahre später der Bau der urtümlichen Kirche von Sant Antoni. Sie wurden zum Schutz des kleinen Fischer- und Bauernortes errichtet und ist ein weiterer Beweis dafür, welche Bedeutung das emsige Treiben im Gebiet von Portmany auch im 14. Jahrhundert und mehr noch im 19. und 20. Jahrhundert hatte. Hinzu kommt, dass viele der alten Fischereitechniken, die bis heute erhalten geblieben sind, hier bereits im Mittelalter und sogar noch viel früher praktiziert wurden.

Die Rede ist beispielsweise von mit Blei beschwerten Leinen, von speziellen Techniken für den Fang besonders kleiner Fische, Langleinenfischerei, Wurfnetze, solta, ein spezielles Fischfanggerät aus Kork und Blei, kombinierte Kiemen- und Trammelnetze sowie Grund- und Schleppnetze. Mit all diesen Mitteln behalfen sich bereits die Fischer jener Epoche.

Eine rege Fischereiwirtschaft prägte auch mit Beginn der modernen Zeit das Leben rund um Sant Antoni. Nun kamen jedoch modernere Boote zum Einsatz, die neuartige Techniken wie Schleppnetzfischerei ermöglichten, wodurch sich der Ablauf automatisierte und die Erträge erheblich größer ausfielen. Gleichzeitig wurde im Hafen eine Fischermole errichtet, was die Organisation der Arbeit und vor allem das Umladen der Ware erleichterte.

Eine der wichtigsten Rollen in dieser ganzen Entwicklung spielt jedoch seit jeher das Llaüt, ein typisch ibizenkisches Fischerboot. Dank des soliden Holzgerüsts, das von mestres d’aixa, wahren Experten im Schiffsbau, hergestellt wurde, glitten diese Boote sicher und stabil durch ibizenkische Gewässer. Von einer kleinen Plattform aus konnten die Fischer reibungslos ihrer Arbeit nachgehen. Die mit Zeichnungen verzierten Lateinersegel, mit denen die Llaüts in vergangenen Jahrhunderten ausgestattet wurden, waren fester Bestandteil des maritimen Landschaftsbildes im 18. und 19. Jahrhundert.

Noch heute fahren die Fischer in ihren Llaüts, deren Segel inzwischen durch Motoren ausgetauscht wurden, aufs Meer, um die bei Anwohnern und Touristen so beliebten Fische zu fangen. Die große Nachfrage hat dazu geführt, dass die Fischerei heute erneut eine Zeit des Wandels durchläuft. Heutzutage gewinnen zunehmend Nachhaltigkeit und Schutz der Fischergründe oberste Priorität für die Berufsfischer dieser Gegend, die in der Fischervereinigung von Sant Antoni zusammengefasst sind. Die handwerkliche Fischereiflotte hält sich bei ihrer Arbeit streng an die strikten Kontrollvorschriften, dank derer jeder gefangene Fisch zurückverfolgt werden kann, und an die genehmigten Fangperioden für die jeweilige Art. Um die Qualität und Nachhaltigkeit des ibizenkischen Fisches zu gewährleisten, haben die Berufsfischer der Insel 2008 die Marke „Peix Nostrum“ gegründet. Das Markenzeichen „Peix Nostrum“ garantiert, dass die damit gekennzeichneten Fische von der Berufsflotte gefangen wurden und dass vom Fang bis zur Ankunft im Fischmarkt maximal vier Stunden vergangen sind. Das gibt den Verbrauchern die Sicherheit, dass der Fisch, den sie kaufen, nicht nur handwerklich gefischt wurde, sondern auch gemäß der Verordnung von „Peix Nostrum“ ausgewählt, gehandhabt, tiefgekühlt und geschützt wurde.

Rotja - Pescado de roca de Ibiza

Dank dieser Gewährleistung können sich die Verbraucher heute gelassen damit beschäftigen, in Ruhe zu entscheiden, welchen Fisch sie heute genießen wollen. Die Auswahl ist riesig und es hängt alles von dem eigenen Geschmack ab. Arten wie gerret (Schnauzenbrasse), gató (Welsartige), Petersfisch, Roter Drachenkopf, Rotgarnelen, Kaisergranaten, Rochen und Zackenbarsch können das ganze Jahr über genossen werden. Bei anderen wie raor (Lippfisch) oder Languste müssen Schonzeiten eingehalten werden. Kalmar, Sepia, Tintenfisch, Stöcker und Rotbarbe haben überhaut nur für bestimmte Monate im Jahr Saison. Doch egal, für welchen Fisch Sie sich entscheiden, in jedem Fall sind Qualität und Geschmack garantiert. Zweifellos gehören die Fische zu den wichtigsten Zutaten beliebter Gerichte der ibizenkischen Küche: bullit de peix (Fischeintopf mit Reis), guisat de peix (Fischeintopf mit Kartoffeln), Fischragout, arroces (Reisspezialitäten mit Fisch), frita de polp (typisches Eintopfgericht mit Tintenfisch), Sepia sowie im Ofen gegarte Fische.

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